Wo ist mein Scheissgeld?

Aye, Phil

Hier bin ich wieder, wie gestern versprochen. Ja, ich bin noch nicht fertig. Da gibts noch so einiges zu klären.

Kannst du dir vorstellen, dass ich heute in ein italienisches Modegeschäft ging, mir einen luftigen, hellen Sommeranzug kaufte und mit der Karte bezahlte – ohne auch nur eine Sekunde zu fürchten, die Karte könnte gesperrt sein?

Nun, das ist gelogen. Nein, nicht das mit dem Anzug und der Kartenzahlung. Aber das mit der Angst. Es ist jetzt siebzehn Jahre her, seit du ins Gras gebissen hast, und ich hab noch immer jedes verfluchte Mal ein ungutes Gefühl, wenn ich an einer Kasse oder einem Bancomaten die Karte benutze. Egal, wie viel ich verdiene, egal ob ich ein paar Stunden vorher meinen Kontostand gecheckt hab – die Furcht, vor einer Verkäuferin zu stehen und nicht bezahlen zu können, ist noch immer da.

Ich hab bis vor zwei Jahren noch immer sporadisch die verfluchten Schulden abbezahlt, die du angehäuft hast. Und das das war nur die Kohle, die wir anderen schuldeten. Das Geld, dass du mir schuldest, ist da noch nicht mal eingerechnet.

Ich hab mir erlaubt, mal eine kleine Rechnung zu erstellen, auch wenn ich weiss, dass du mir das nie mehr zurückzahlen wirst.

Also, ich bin von einem durchscnittlichen Konsum von 300 Franken täglich ausgegangen, habe netterweise die Wochen, in denen wir jeden Tag für ein paar Tausend Stutz Freebase verheizten, weggelassen.

Gut. 300 Franken mal 30. Das sind rund 9000 im Monat. Im Jahr macht das dann 108 000 Franken. Und jetzt rechne das über 15 Jahre.

Yep. Du schuldest mir 1.5 Millionen. Und das ohne die von dir verursachten Schulden, Arbeistausfälle etc. Nur der reine Konsum.

Das wäre ein nettes kleines Häuschen für meine Familie und meine Hunde. Oder 5 Jahre Auszeit, um endlich mein Buch zu schreiben. Wenn du noch am Leben wärst, würde ich dir wohl bösartige Schuldeneintreiber auf den Hals hetzen. Auch wenn ich nicht erwartete, dass das was nutzen würde.

Also, ich machs hiermit offiziell: Die Schulden sind dir erlassen. Du hast Glück, dass ich nie besonders an Geld interessiert war.

So, ich geh jetzt nochmals mein Konto checken. Einfach zur Sicherheit.

Bis demnächst, bald. Da ist nämlich noch diese Sache mit der Moral.

Ciao Caro

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